Redebeitrag Kundgebung in Solidarität mit den Verabredeten (2025)

Solidarität mit den Verabredeten

Wir haben heute eine Verabredung. Wir hatten gestern eine. Und wir werden uns für die Zukunft miteinander verabreden! Verabredungen schenken uns Kraft. Kämpferische Verabredungen lassen uns lebendig fühlen! Verabredungen schaffen Verbundenheit.

Wir stehen heute hier gemeinsam einem Gerichtsprozess gegenüber, der sich ein moralisches Urteil anmaßen möchte und damit die herrschenden, unterdrückerischen Zustände als Normalität  festlegt. Dabei baut dieser kapitalistische Zustand auf kolonialer, patriachaler Klassengewalt auf. Kriege sind darin Normalzustand.

Diese angebliche Normalität wollen wir nicht akzeptieren und stellen uns entschieden dagegen. Wir  fühlen uns verbunden mit allen Gefährt*innen, die diese gewaltvollen Verhältnisse mit verschiedenen Mitteln immer wieder in Frage stellen.

Ein Beispiel des Postkolonialen Zustandes findet sich in den Machenschaften des Megakonzerns Deutsche Bahn (DB), der wie viele andere kapitalistische Unternehmen auch, die Erde und ihre Lebewesen ohne Hemmung ausbeutet. Genannt sei hier die Beteiligung am Megaprojekt ‚Tren Maya‘ – dem Bau einer Zugstrecke über 1500 km zur industriellen und touristische Erschließung der Halbinsel Yukatan in Mexiko. Die Deutsche Bahn begleitet und berät tatkräftig in diesem Projekt und erhält dafür mehrere Millionen Euro. Außerdem wird ein Viertel des gesamtdeutschen Bahnstroms aus dem Kohlekraftwerk Datteln IV geliefert. In diesem Kraftwerk wird Kohle aus Kolumbien verbrannt, für das Menschen dafür vertrieben und ermordet werden. In Berlin gibt es einen Ein zweites Beispiel ist der anhaltende Streit zwischen der Deutschen Bahn und Vertreter*innen der Sinti*zze und Romnja* um das Denkmal für die Ermordeteten Sinti*zze und Romnja* während des Nationalsozialismus. Trotz lauter Kritik von Aktivist*innen, soll das Denkmal einer Bahnstation der DB weichen und damit wichtige Erinnerungskultur im Stadtbild von kapitalistischen Interessen verdrängt werden.

Doch wir verabreden uns einfach weiter! Wir lassen uns nicht trennen und wir stehen füreinander ein. Wir fühlen Verbundenheit!

Manchmal ist das schwierig in diesen Verhältnissen! Vor allem in Momenten der Repression, denn das ist ihre Wirkweise. Das ist die Funktion von Repression: uns zu trennen, uns einzuschüchtern, uns Angst zu machen. Uns zu individualisieren und Misstrauen zu sähen, u.a. durch Anquatschversuche oder durch Spitzel. Aber wir werden uns von diesen ekelhaften Methoden nicht einschüchtern lassen und weiter für unsere emanzipatorischen und antiautoritären Perspektiven kämpfen. Wir stehen zusammen und den Strategien der Angstverbreitung entschlossen entgegen. Das bedeutet auch, dass wir uns aktiv und gemeinschaftlich mit Knast auseinandersetzen müssen. Das bedeutet in revolutionärer Verbundenheit zu bleiben, auch wenn Repression und Knast drohen.

Die Soli- und Reproarbeit für Menschen, die von Repression betroffen sind, ist oft unsichtbar und leise. Es sind oftmals FLINTA* die für die betroffenen Gefährt*innen emotionale Carearbeit leisten, sie unterstützen und supporten oder auf den Knast vorbereiten. Die Begleitung von Menschen im Knast kann langwierig und nervenzehrend sein. Wir appellieren ganz klar an alle Cis-Männer, sich ihre Rolle im Patriarchat und der Gesellschaft bewusst zu machen und verbindlich Verantwortung zu übernehmen. Lasst eure Gefährt*innen und das direkte Nahumfeld nicht alleine – auch Carearbeit muss praktisch werden und von uns allen getragen sein!

Lasst uns verabreden, um nacheinander zu schauen! Lasst uns Praktiken entwickeln, die uns helfen auch in repressiven Momenten aktiv und verbunden zu bleiben! Lasst uns verabreden, um Unmenschlichkeit zu benennen.

Lasst uns verabreden, um Wissen auszutauschen, Analysen zu schärfen und gemeinsam zu wachsen. Lasst uns verabreden, um eine haltgebende Gemeinschaftlichkeit aufzubauen, wo wir voneinander getrennt werden sollen!

Lasst uns verabreden um gegen Krieg, gegen Ausbeutung, gegen den rassistischen, antisemitischen und patriachalen Normalzustand zu kämpfen!

Ihr seid nicht allein!
liebevolle und kämpferische Grüße,
KAF