Lasst uns diese Nacht zu einem Moment für unsere Wut und Kollektivität machen.
Zu häufig fühlen wir uns ohnmächtig vor den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Die Lösungen, die uns in dieser Gesellschaft angeboten werden, zielen auf Einzelne ab und werden nur individuell gedacht. So fühlen wir Ohnmacht, Trauer und Vereinsamung.
Wir sind aber nicht einsam. Wir sind hier und wir sind Teil einer Geschichte des Widerstandes. Einer Geschichte, die zu selten erzählt wird.
Heute und hier wollen wir uns an alle erinnern, die vor uns gekämpft haben, die als Hexen verbrannt wurden, im Kampf gegen patriarchale und machtzentralisierende Gewalt. Wir gedenken derer, die sich gegen Kolonialisierung und das System einer weißen Vorherrschaft aufgelehnt haben.
Wir gedenken den Gefangenen und Untergetauchten der Gegenwart, denen wir Liebe und Kraft schicken.
Wir gedenken auch jede einzelne unserer Geschwister, die durch Feminizide getötet wurde. Diese Feminizide fühlen sich in unseren Körpern an wie Nadelstiche patriarchaler Gewalt. Feminizide sind der Gipfel der Gewalt, die uns allen angetan wird. Sie sind eines der sichtbarsten Ergebnisse von jahrtausend alter Abwertung und Zurichtung der Körper von Frauen, Lesben, nicht binären, trans und inter Personen. Wir spüren diesen Schmerz un unseren Körpern – in den Körpern, in denen die Geschichten unserer Mütter und Ahn:innen eingeschrieben sind. Diese Körper sind die Territorien, die wir alltäglich verteidigen müssen und für die wir gemeinsam kämpfen.
Es ist schwer bei dieser ganzen Scheiße zu hoffen. Aber die Hoffnung ist das, was uns bleibt. Wir finden sie, in unseren Kollektiven, auf der Straße an Tagen wie heute mit Euch und in der Organisierung. Organisierung, dieses sperrige Wort, das Theorien füllt und Aufrufe beendet. Wir haben in dieser Organisierung, ganz einfach gesagt, Gemeinschaft und Verbundenheit gefunden. Denn dieses Gefühl wirkt so stark gegen die Vereinsamung dieser kapitalistischen Gesellschaft. Hier finden wir Raum über die Erfahrungen der Einzelnen zu reden und zu merken, wie viel Gemeinsames darin steckt. Es gibt eine kollektive Erfahrung der Unterdrückung, die wir in einen Kampf umwandeln können. Aus dieser Ohnmacht wird Handlungsfähigkeit, die Strukturen für uns und andere schafft.
Was wollen wir? Warum lohnt es sich zu kämpfen? Warum sind wir heute auf der Straße? Wir glauben an die Würde jedes einzelnen Menschen. Und diese Würde finden wir, wenn wir in dieser ungerechten Gesellschaft unsere Selbstvertedigung gemeinsam denken und organisieren! Nur in der Logik einer Gesellschaft, die auf Spaltung, Isolation, Militarisierung und Wettbewerb ausgelegt ist, sowie es in der BRD ist, wird der Kampf um ein gerechtes und selbstbestimmtes Leben Terror geschimpft. Diese Ungerechtigkeit und die unterschiedliche Wertung von Menschenleben sehen wir in den Genoziden, die von imperialisitischen Kräften begangen werden. In Palästina werden mit Geldern des deutschen Staates abertausende Menschenleben ausgelöscht und wir kennen nur die Namen von einigen wenigen auf israelischer Seite? Künstliche Intelligenzen berechnen die Wertigkeit von Menschen in der Logik von wirtschaftlichen Interessen und schießen dann Drohnen ab, die hunderte und tausende von Menschenleben vernichten.
Wir lassen es nicht zu, dass wir uns spalten lassen und blind vor dieser Verhältnissen werden. Ja, das ist klar, denn eine hoffnungsvolle Haltung ist eine Bedrohung für das ausbeutende System. Und ja: Durch unseren Kampf um unsere Würde wollen wir dieses System angreifen und zerschlagen.
Wir, die vom Patriarchat abgewertet und entmündigt werden, machen so unterschiedliche Erfahrungen.
Aber uns eint, dass wir Widerstand leisten wollen und die zur Verantwortung ziehen wollen, die uns unsere Würde nehmen wollen. Hier in der BRD, in Palästina, im Kongo, in Sudan oder in Rojava.
Wir wollen uns alle kämpfend. Wir wollen uns alle lebend. Wir wollen eine kämpferischen 8. März mit euch jetzt, heute und jedes Jahr wieder und zwar mit allen, und keiner Person weniger!
Passt auf euch auf. Grüße und Küsse, KAF – ein Kollektiv für den Anarchaqueerfeminismus